{"id":305,"date":"2023-08-14T16:09:17","date_gmt":"2023-08-14T16:09:17","guid":{"rendered":"https:\/\/farangis.de\/neumithraeum\/?p=305"},"modified":"2023-08-14T18:30:07","modified_gmt":"2023-08-14T18:30:07","slug":"in-der-tiefe-des-meeres-sind-tierrechte-ebenso-wichtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/farangis.de\/neumithraeum\/in-der-tiefe-des-meeres-sind-tierrechte-ebenso-wichtig\/","title":{"rendered":"In der Tiefe des Meeres sind Tierrechte ebenso wichtig"},"content":{"rendered":"<p>Aus: E-Reader: Gruppe Messel, Jahrgang 5, Nr. 2, 2023, S. 19.<\/p>\n<p><strong>In der Tiefe des Meeres sind Tierrechte ebenso wichtig; die Problematiken des \u00d6kozids und des Faunazids allgegenw\u00e4rtig<\/strong><\/p>\n<p>Die meisten von uns schauen sich gerne die faszinierende Welt der Art nichtmenschlicher (nm-)Tiere an, die uns wenig bekannt sind und die wundersch\u00f6n und exotisch anmuten. Uns fasziniert die nm-Tierwelt. Und trotz aller Ber\u00fchrtheit und Bewunderung f\u00fcr diese Welt, nehmen wir kaum oder aber oftmals in hilfloser Form wahr, dass der Lebensraum f\u00fcr diese Tiere schwindet und wie das etwas mit uns allen zu tun hat und wo die Tierwelt ein geschlossenes \u00d6kosystem tr\u00e4gt, n\u00e4mlich unsere Welt, und zwar die nicht-hegemonial-anthropozentrische Welt der \u201aNatur\u2018 selbst.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>Tierrechtler und Natur\u2026 <\/em><\/p>\n<p>Als Untergruppe blenden \u2013 man staune \u2013 selbst viele Tierrechtler die Dichte dieses Lebensgef\u00fcges aus. So hat die niederl\u00e4ndische Anthropologin und Tierethikerin Barbara Noske diese interne Ausblendung der Zusammenh\u00e4nge zwischen Tierrechten und \u00d6kologie innerhalb der Tierrechtsbewegung bereits im Jahr 2004 kritisiert [Barbara Noske: Zwei Bewegungen und die Mensch-Tier-Kontinuit\u00e4t: Positionen, Annahmen, Widerspr\u00fcche, <a href=\"http:\/\/simorgh.de\/noske\/noske_22-33.pdf\">http:\/\/simorgh.de\/noske\/noske_22-33.pdf<\/a> ; der Text ist auch in dem Reader selbst auf Seite 32 enthalten &gt; <a href=\"https:\/\/d-nb.info\/1278741399\/34\">https:\/\/d-nb.info\/1278741399\/34<\/a>]; dieser Text befindet sich in diesem Reader], die Tierrechtler n\u00e4hmen die Tiere aus der Kontextualit\u00e4t mit der nat\u00fcrlichen Umwelt heraus, und dass vice versa die Umweltbewegung, die Tiere und deren Rechte (die wir zu wahren h\u00e4tten) im Kontext mit dem nat\u00fcrlichen Lebensraum, kaum als Gegenstand der Auseinandersetzung betrachteten.<\/p>\n<p><em>Individuen \u2026 <\/em><\/p>\n<p>Die Frage, welche Tiere im nat\u00fcrlichen \u00d6kosystem auf der menschlichen W\u00fcnschenswert-Skala ganz oben und welche ganz unten angesiedelt werden,\u00a0und welche genau weshalb in die Rolle von \u201eNutzlebewesen\u201c ger\u00fcckt werden und wurden, stellt sich nicht, wenn wir die Sch\u00f6nheiten der Natur beobachten und bewundern wollen. Sobald diese Tiere jedoch erforscht oder in jeglicher Weise in den menschlichen Raum hineingezogen werden, geraten diese Individuen (die sie sind) in die Maschinerie speziesistischer Betrachtungen und Kategorisierungen hinein und sind schlagartig verloren. Und ein Tier, f\u00fcr das wir eben noch begeistert geschw\u00e4rmt haben, weil es solch ein \u201eWunder der Natur\u201c ist, und bei dem wir eben gerade noch ganz starke Empathie empfunden haben, schrumpft zu dem Repr\u00e4sentanten eines Spezies. Wie mit dieser Spezies umgegangen wird, bestimmt sich aus unserer Historie der Herabwertung tierlichen Seins heraus und nicht mehr aus unserer im tiefsten Innern empfundenen und gedachten Bewunderung.<\/p>\n<p>W\u00e4re es m\u00f6glich, die Offenheit, die wir in einem Moment f\u00fcr die Anmut und W\u00fcrde von Tierindividuen noch zeigen, zu \u00fcbertragen auf unsere Sichtweise der allgemeinen Substanz des Tierseins? Oder k\u00f6nnen wir unsere wahren Gedanken und Anschauungen \u00fcber Tiere, wie wir sie in Wirklichkeit ganz tief empfinden und denken, kaum formulieren, ihnen kaum Ausdruck verleihen, weil unsere Gedanken sofort auf humanzentrisches Regelwerksdenken st\u00f6\u00dft in der zwischenmenschlichen Kommunikation auf all den m\u00f6glichen Ebenen und wir obendrein noch selbst eine innere scharfe Zensur betreiben?<\/p>\n<p>Es ist nicht zu begreifen warum das Individuum \u201anm-Tier\u2018 nicht z\u00e4hlen sollte, wer vermittelt uns diese Fehlansicht und warum akzeptieren wir diesen schandhaften Status quo?<\/p>\n<p>Tierliebe setzt aus, in dem Moment, in dem wir deren Dasein \u201enutzen\u201c wollen. Wir wollen uns durch deren Existenz in irgendeiner Form selbst aufwerten in unserer Existenz. Dazu t\u00f6ten wir sie und bewundern sie aber auch. Aber alles, was wir von ihnen wollen, soll unserer Besserstellung und unserer Privilegiertheit dienen. Die existierenden Speziesismen (in den Naturwissenschaften, den Religionen, in philosophischen Theorien, usw.) \u00a0liefern den Beweis daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Ein Argument bildet immer wieder ein besonderes Hindernis und stellt eine grunds\u00e4tzliche Unterscheidung im Denken der meisten Tierrechtler, gesinnungsneutralen Menschen und Speziesisten dar. Und zwar die Frage danach, warum Tiere auch Tiere t\u00f6ten und warum wir das dann als Mensch nicht d\u00fcrfen sollten.<\/p>\n<p>Das Gegenargument aus Tierechtsseite lautet dann meist: wir sind uns \u00fcber das Unethische am T\u00f6ten anderer Lebewesen bewusst, nm-Tiere seien aber nicht moralf\u00e4hig. Ich glaube das nicht. Ich glaube nur, dass wir die Gr\u00fcnde, warum es Raubtiere unter den nm-Tieren gibt, nicht wirklich kennen und verstehen, und dass das T\u00f6ten zur Verzwecklichung und Zerst\u00f6rung des Lebens anderer Tierindividuen, im Falle des Menschen, nicht ethisch vertretbar ist und der Mensch eben kein Raubtier ist.<\/p>\n<p>Ein Mensch, eine Gruppe von Menschen oder eine Gesellschaft, die das T\u00f6ten in Kauf nimmt zur Durchsetzung ihrer Interessen (au\u00dfer in der Notwehr oder dem Unfall bzw. der unbeabsichtigten T\u00f6tung\/Verletzung), begeht eine Tat, die immer auf das gleiche hinausl\u00e4uft. Sie wertet bewusst das Leben eines anderen Individuums und Lebewesens ab. Ohne diese Abwertung g\u00e4be es keinen Mord, keinen Tiermord, keinen Menschenmord und das scheint eher der Punkt zu sein, warum der Mensch, der t\u00f6tet, eben kein Raubtier ist. Die Herabsetzung (insbesondere qua Definition) ist ein urmenschliches Machwerk, man denke an die Geschichte der Tieropferungen und der Ritualit\u00e4t der Tiert\u00f6tung, die kulturanthropologisch mit Sicherheit eine ganz prominente Rolle in der menschheitsgeschichtlichen Verarbeitung des T\u00f6tens nm-Tiere seit jeher eingenommen haben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Nichtmenschliche Tiere sind nicht unsere Artgenossen, aber dennoch sind sie, wie wir, physiologisch Tiere. Sei es ein Pfannkuchentintenfisch oder ein Glaskopffisch im tiefsten Meer oder ein sch\u00f6ner V\u00f6gel in einer relativ unber\u00fchrten Region der Welt, sei es mein Haustiergenosse, sei es das Tier, das heute f\u00fcr den Fleischverzehr, f\u00fcr den Glauben an eine religi\u00f6s begr\u00fcndete \u00dcbermacht oder f\u00fcr den wissenschaftlichen Fortschritt (\u2026) gemordet wird \u2026 sei es ein K\u00e4fer, ein Blauwal, sei es gleich welches tierliche Gegen\u00fcber: Alle Tiere sind wie wir Tiere.<\/p>\n<p>Der Mensch ist im Mindesten physiologisch ein Tier. Der Mensch ist kein Raubtier, denn er muss eine Abwertung des Gegen\u00fcbers vollziehen wenn er t\u00f6tet, da er nicht ethisch wertfrei t\u00f6ten kann. Er muss die Physiologie seines Gegen\u00fcbers ganzheitlich negieren. W\u00fcrden wir unsere gesellschaftlichen Abwertungsmechanismen im Bezug auf Tiere (Speziesismen, Objektifizierung) \u00fcberwinden, w\u00fcrden wir die faszinierenden nm-Tiere, und die Tiere, die wir schon h\u00e4ufiger gesehen haben, besser in unser System ethischer Relevanz mit einbeziehen k\u00f6nnen. Solange aber muss unsere Begeisterung als eine Art der Gef\u00fchlsduselei auf der Emotionalebene verharren. An der Stelle, an der wir An der Stelle, an der wir uns selbst mitunter ganz wunderbar herabzuwerten wissen &#8230; .<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus: E-Reader: Gruppe Messel, Jahrgang 5, Nr. 2, 2023, S. 19. In der Tiefe des Meeres sind Tierrechte ebenso wichtig; die Problematiken des \u00d6kozids und des Faunazids allgegenw\u00e4rtig Die meisten von uns schauen sich gerne die faszinierende Welt der Art nichtmenschlicher (nm-)Tiere an, die uns wenig bekannt sind und die wundersch\u00f6n und exotisch anmuten. 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