Farangis Yegane Arani und das Mythologem der Tauroktonie

Mitweltethik, Bildsprache und Mythologie

Farangis G. Yegane Arani und das Mythologem der Tauroktonie

Messel group

Farangis reaktiviert den Mythos des Mithras-Mysteriums nicht als antiquarische Darstellung, sondern als Bildsprache mit religions- und kulturkritischer Implikation. In „zum Beispiel Mithras I“ [Philozoe, Jg. 2, Nr. 1, 2021] stellt sie das Stiertötungsmythologem als paradigmatischen Ausdruck von Opferdenken dar und verbindet es mit der Vorstellung des Opfertodes als ritueller Wiedergeburts- und Heilserwartung in verschiedenen religiösen Traditionen.

Das zentrale Bild der Tauroktonie – die Tötung des Stiers durch Mithras – steht dabei nicht für ein historisches Opfergeschehen. Es symbolisiert vielmehr die Vorstellung, dass aus Tod neues Leben erwächst. Blut, Sterben und Opfertod erscheinen als Übergänge, als Schwellenmomente, in denen Transformation imaginiert wird.

„Im Sterben und Verbluten beginnt die rituelle Verwandlung: aus Tod entspringt neues Leben. In endlosen Ketten der Heilserwartungen bewegt sich die Menschheit in heillosen Epochen.“

Mit dieser Formulierung bindet Farangis den Mithras-Mythos an anthropologisch weit verbreitete Deutungsmuster von Opfer als Heilserwartung. Auch in den abrahamitischen Religionen steht das Blutopfer – in Kreuzigung, Tieropfer oder ritueller Blutmetaphorik – als Bindeglied zwischen Mensch und Gott sowie als Verheißung von Erlösung. Farangis stellt diese Vorstellungen gegenüber.

Opfer als kulturelles Denkmodell

Farangis’ Zugriff ist nicht historistisch, sondern mythopoetisch und kulturkritisch.

Blut erscheint nicht nur als physischer Lebenssaft, sondern als mythischer Metabolismus von Tod und Hoffnung. Das Motiv des „Tötens, um neu zu werden“ zieht sich durch unterschiedliche Kulturen.

Doch Farangis deutet diese Struktur nicht affirmativ. Sie beschreibt sie als Zwangsläufigkeit kultureller Vorstellungen: Der Gedanke, Tod könne unmittelbare Heilserfahrung generieren, ist tief in religiöse Bildtraditionen eingeschrieben – und gerade deshalb problematisch. Denn er schreibt Opfer als notwendige Bedingung von Sinn fest.

Im römisch fokussierten Teil der Ausstellung – zum Beispiel Mithras I – werden mehrere Aspekte thematisiert, die die Problematik umreißen. Die begleitende Handreichung der Ausstellung (Philozoe, Jg. 2, Nr. 1, 2021) erläutert die römische Bildsprache und deren innere Dynamiken, ohne sie als historische Rekonstruktion zu überhöhen:

  • Eine zentrale Rauminstallation zeigt die sieben Weihegrade des Mithras‑Kultes als aufsteigende Stufen: Rabe, Nymphus, Miles, Leo, Perses, Heliodromos, Pater in Gegenüberstellung mit den Weihegraden der katholischen Kirche und den Hierarchiestufen des US-amerikanischen Militärs. Diese Treppenbildung ist nicht nur eine Hierarchisierung von Initiationsstufen, sondern verweist implizit auf den Weg durch symbolische Ordnungen, der im Mythos selbst enthalten ist. Quelle: Begleittext zur Ausstellung, S. 10ff.
    https://farangis.de/philozoe/edition_farangis_philozoe_DE_2021_1.pdf [28.02.26]
  • Die kosmische Ordnung und ihre Störung werden über eine Lichtinstallation thematisiert: In einer diptychonartigen Komposition wechseln sich Formen von Sonne und Mond ab, und eine rote Leuchtlinie durchzieht das Wechselspiel. Sobald der Zyklus vollendet ist, blitzt die rote Linie auf und signalisiert eine Unterbrechung, eine gestörte Ordnung. Dieses Lichtspiel markiert nicht nur zeitliche Rhythmen, sondern auch die Fragilität kosmischer Struktur angesichts menschlicher Eingriffe. Quelle: Begleittext zur Ausstellung, S. 14f.
    https://farangis.de/philozoe/edition_farangis_philozoe_DE_2021_1.pdf [28.02.26]
  • Weitere Exponate ordnen die ikonographische Welt des Mithras mythopoetisch und hinterfragend: Der weiße Stier als begehbare Holzskulptur führt die Besucher*innen in den Bildraum der Tauroktonie ein, ergänzt durch Klanginstallationen [https://mithraeum.bandcamp.com/; Farangis Yegane: For Example Mithras Part 1 in the Karmeliterkloster https://www.youtube.com/watch?v=8T1fK5f3-G8, 28.02.26], dabei die kontrastierende Bildpaarung, die die römische Opferikonographie mit dem Fokus auf das Opfer neben die Kreuzigung im Christentum stellt. Quelle: Exponatübersicht
    https://farangis.de/mithras/de/exhibits1.htm [28.02.26]

Diese Inszenierungen zeigen, wie die römische Mythologie nicht nur symbolische Szenen reproduziert, sondern sie in einem reflexiven Raum der kulturellen Fragwürdigkeit neu zusammensetzt. Dabei wird deutlich, dass die Vorstellung von Opfer als Heil nicht naturgegeben ist, sondern in rituellen Ordnungsbildern konstruiert und stabilisiert wird – genau dort nämlich, wo kosmische Ordnung, Hierarchie und Übergangsrituale zusammengeführt werden.

Persische Ursprünge: Leben als Sein

In zum Beispiel Mithras Teil II [Philozoe, Jg. 2, Nr. 3, 2021]  gewinnt der Blick auf die persischen Mythologeme entscheidende Bedeutung.

In den iranischen Überlieferungen ist der Urstier kein symbolischer Opferkörper. Er ist Ausdruck von Lebendigkeit selbst. In der zoroastrischen Lehre und Doktrin wird von „sterblichem Sein“ gesprochen – doch diese Wendung gehört bereits in eine theologische Systematisierung. Im älteren heidnischen Mythos steht der Urtier nicht für Endlichkeit, sondern in Entsprechung mit dem Urmenschen für die Einheit von Leben und kosmischem Zusammenhang [Goashurvan, die Kuh, die das All-Lebes darstellt, der Urmenschen Kayomarth, Gaya Mare-tan].

Das Leben ist hier kein Mittel, wird nicht Instrument, ist keine bloße Funktion. Es ist sinnseiend. Vor diesem Hintergrund erscheint die römische Bildform der Tauroktonie als Transformation eines älteren Motivs. Was ursprünglich kosmische Kontinuität ausdrückte, wird in eine narrative Szene überführt, die sich in der Schnittstelle zwischen der Mithra-Gestalt des Persischen und ihrer mannigfaltigen Bedeutsamkeit und seinem Überhang ins Römische bewegt. Ein Gott tötet hier, damit Leben entsteht. An die Stelle von Verbundenheit (Mehr), tritt (Mitre), das Bündnis, der Vertrag.

Der erhobene Stierschwanz mit Ährenkrone

Besonders deutlich wird diese Verschiebung am Symbol des erhobenen Stierschwanzes mit der dreiteiligen Ährenkrone. Traditionell wird dieses Motiv oft funktionalistisch als Fruchtbarkeitssymbol gelesen. Farangis widerspricht implizit dieser Verkürzung. Die Ähre ist kein agrarisches Nutzzeichen. Sie markiert nicht Ertrag, sondern Kontinuität. Sie steht für das Weiterbestehen des Lebens als solches. Siehe Bild und Text  >

Farangis, Mithras im Taunus – Interpretation, 2021, https://www.farangis.de/mithras/taunus/interpretation [26.02.26]

Farangis, Wind und Atem in der Mithras‑Bildsprache, 2021, https://farangis.de/two/mithras/de/wind.htm [26.02.26]

Farangis schreibt für zur Erläuterung für unsere gemeinsame Dokumentation zu z.B. Mithras II:

„Mit der Betonung der Weite des Himmels auf dem 5-teiligen querformatigen blauen Bild befindet sich Mithras im Mittelfeld, flankiert von den vier Windgöttern. Farangis zeigt hier Mithras mit kosmischen Symbolelementen. Er ist gezeigt in seinem vom Wind aufgeblähten Mantel, dessen Innenseite den Sternenhimmel darstellt.

Es ist erkennbar, dass Mithras auf dem Rücken des Stieres sitzt, der seinen Schwanz mit Ährenkrone aufgerichtet hat. Mithras ist im Moment des Zupackens vom Stierkopf erkennbar, jedoch hat Farangis auf diesem Bild dem Stiertöter eine nie dargestellte Position im Tötungsgeschehen gemalt denn hier sehen wir Mithras bei der Entscheidung den Stier nicht zu töten, indem er die Hand, die töten möchte, festhält und damit verweigert auf göttlichen Befehl zum Mörder zu werden.

In der kosmischen Frömmigkeit der Mithrasmysterien spielte der Rabe eine wichtige Rolle. Er wird meist sitzend auf dem weiten Mantel des Mithras sich ihm zuwendend dargestellt. Da die Aufenthaltsräume der Vögel Himmel und Erde gleichzeitig sind, wurde Vögeln die Vermittlerrolle zwischen den Himmelsgöttern und der irdischen Menschenwelt zugeschrieben.

Die vier Windgötter links und rechts, oberhalb und unterhalb, zeigen dem Betrachter die vier Windrichtungen an. In den alten Sprachen wurde Wind gleichgestellt mit Atem, Hauch und Luft. Somit hat Mithras auf diesem Bild dem Stier nicht den Atem die Luft genommen, sondern Leben erhalten. Er hat sich eingefügt in den Lebenszyklus einer kosmischen Ordnung und dem göttlichen Tötungsbefehl widerstanden.“

In iranischen Mythensprache ist das Hervorgehen von Saat oder Pflanze kein ökonomischer Akt, sondern Ausdruck einer unaufhebbaren Lebensverflochtenheit. Das Leben setzt sich fort, nicht weil es geopfert wurde, sondern weil es nicht negierbar ist.

In der römischen Tauroktonie wird dieses Bild jedoch visuell an den Akt der Tötung und des soldatischen Gehorsams und dessen Konsequenzialität gebunden. Es entsteht eine semantische Verschiebung: die Unausweichlichkeit des Opfers rückt in den Mittelpunkt.

Transformation und kulturkritische Intervention

Farangis’ neo-mithraische Interpretation – festgehalten in der Online-Dokumentation Mithras im Taunus [ https://www.farangis.de/mithras/taunus/ , 28.02.26] zur Ausstellung „Mysterium Mithras“ – die Farangis mit Exponaten aus z.B. Mithras I und II in Zusammenarbeit mit dem Saalburgmuseum umsetzte – macht diese Verschiebung sichtbar.

Farangis kontextualisiert im Rahmen der historischen Prämissen,

  • dass die Tauroktonie keine historische Belegszene realer Stieropfer war, sondern eine mythische Allegorie innerhalb des Kultes,
  • und dass die Verbindung von Tötung und Heilserwartung eine kulturelle Codierung darstellt, die aufgebrochen werden kann und sollte.

Damit wird das Opferdenken als historisch gewordene Bildfigur erkennbar. Nicht Leben entsteht durch Opfer. Vielmehr wurde ein Bild von Lebens-Kontinuität in eine Dramaturgie des Opfers überführt.

Gerade hier liegt die kulturkritische Intervention Farangis’:
Sie legt offen, wie aus einem Mythos der Transformation ein Mythos der notwendigen Gewalt werden konnte.

28.02.26

Tiersoziologie: Moral Agency oder Bedeutung und Wert

Tiersoziologie: Moral Agency oder Bedeutung und Wert

Der tote Winkel in der Tierrechtsbewegung ist ein reduktiver tiersoziologischer Begriff. „Bedeutung als Wert“ wird im kommunikativen sozialen Verhalten nicht jenseits biologistischer Entkernung benannt und eigene Denkfehler hinsichtlich nichtmenschlicher Tiere können nicht dechiffriert werden. Das Verständnis von Sentience, als Eckpfeiler auf dessen Grundlage man von Menschenrechten abgeleitete Rechte erteilen will, begnügt sich mit einer Sentience, die der Komplexität im nicht-anthropogenen Bereich nicht mehr gerecht wird.

Der tote Winkel in der Tierrechtsbewegung liegt einer Negation oder einem Nicht-Andenken tiersoziologischer Dimensionalitäten, bei dem nichtmenschliche Tiere primär als biologisch empfindungsfähige Individuen gefasst werden. Bedeutung als sozialer und kommunikativer Wert bleibt dabei, nach jeder Art und Weise der biologistischen Entkernung, unbenennbar.

Das verbreitete Verständnis von Sentience – als neuronale Empfindungsfähigkeit und minimalem moralischen Marker – operiert innerhalb eines Weltbildes, das Denken in einer prädeterministischen Weise lokalisiert, Fühlen reduziert begreift und Geist exklusiv menschlich konnotiert und normiert. Eine solche Sentience bleibt weltlos: Sie erfasst weder die relationale Konstitution von Erfahrung noch die geiststiftende Qualität nichtmenschlicher Sozialität.

Indem Denken als konzyklisch diskursiv-rationales Format reserviert und Fühlen auf affektive, arbiträr bewertbare Reaktion verkürzt eingehegt wird, entsteht eine epistemische Hierarchie, die Tiere ontologisch unterordnet, selbst dort, wo man ihnen „moralische Berücksichtigung“ zugesteht. […]

Vor diesem Hintergrund lassen sich Tom Regans Überlegungen als paradigmatisch für diese Form eines kognitiven Ableismus lesen. Die Definition von moral agency wird bei Regan nicht aus gelebter Verantwortung und Bezugnahme, emotiver Beziehung oder sozialer Praxis abgeleitet, sondern als normativer Grenzbegriff gesetzt.

Moralische Relevanz wird dadurch über einen anthropozentrischen Maßstab definiert, der bereits im Vorab entscheidet, wer als moral agent zählt und wer lediglich als moral patient. Reduktionen, die wir beim Verständnis von Sentience kritisiert haben [i.], finden hier eine institutionalisierte Form: Leben wird anerkannt, aber entsoziologisiert; Tiere zählen, aber nicht in ihrer relationalen und sozialen [in bedeutender Weise bezugnehmenden und in Bezug setzenden] Wirklichkeit. Moral, auf Ebene der Wirksamkeit ihrer Idee, wird nicht aus situativem Handeln und responsiver Rücksicht genommen, sondern als steriler, statischer Status vermittelt. Verantwortung wird an enge arbiträr gesetzte kognitive Kriterien gebunden, nicht an lebendige, gelebte Bezugnahme.

Damit zeigt sich: Was im allgemeinen Tierrechtsdiskurs als „minimalistische Sentience“ operiert, wird in Regans Rights View zu einem formalisierten, hierarchischen System, das kognitiven Ableismus sowohl gegen Menschen als auch gegen Tiere reproduziert. Moral ist hier nicht gelebtes Geschehen, sondern normierter Status; Leben wird anerkannt, aber abstrahiert; soziale Kompetenz und relationale Sensibilität werden ausgeblendet. Regans Theorie illustriert exemplarisch, wie der tote Winkel der Tierrechtsbewegung in konkrete Begriffssetzungen übersetzt wird, die Tiere ontologisch und epistemisch marginalisieren, selbst wenn sie formal moralischen Schutz und eine einstellungstechnische Aufwertung erhalten.

Kognitiver Ableismus und paternalistische Begriffssetzung bei Tom Regan: Die Sperrigkeit des ‚Subjekts-of-a-Life‘ im Rights View. Ein tiersoziologischer Einwand.

Tom Regans Tierrechtstheorie beruht auf einer vorab gesetzten Definition von moral agency, die nicht aus dem realen moralischen Geschehen abgeleitet ist, sondern als normativer Grenzbegriff fungiert. Moral agency wird bei Regan an spezifische kognitive Kriterien gebunden, die sich in festen Rahmenwerken bewegen – abstrakte Selbstreflexion, Regelverständnis, Rechtfertigungsfähigkeit –, die nicht notwendig für moralische Bezugnahme sind, sondern eine theoretische Präferenz darstellen.

Diese Festlegung ist arbiträr, weil sie weder logisch zwingend noch phänomenologisch begründet ist. Sie setzt einen Begriff über das gelebte Leben, statt ihn aus Beziehung, Responsivität und sozialer Praxis zu entwickeln. Moral wird dadurch nicht beschrieben, sondern verordnet zur Bildung lebenshierarchische Konstrukte.

Der aus einer Zuweisung von Moral Agency resultierende kognitive Ableismus wirkt doppelt:

1. Gegenüber Menschen
Kognitiv neurodiverse Menschen (oder/und Menschen, die als kognitiv ‚beeinträchtigt‘ klassifiziert/diagnostiziert werden) und Babys werden explizit aus einem aktiven Bereich der moral agency ausgeschlossen und als moral patients klassifiziert. Ihr moralischer Status ergibt sich nicht aus ihrer gelebten Bezugnahme, sondern aus einer externen Schutzlogik. Anerkennung wird durch Verwaltung ersetzt: Bedingter, relativer, paternalistischer Schutz ja, Teilhabe, Eigengestaltung, Partizipation nein.

2. Gegenüber Tieren (speziesistisch)
Ein kognitiver Maßstab ist von vornherein menschlich kodiert und für Tiere strukturell unerreichbar, was deren Autonomie moralisch, sozial-reflexiv unsichtbar macht. Ihr Ausschluss erscheint dadurch sachlich begründet, ist aber begrifflich bereits entschieden. Der Vergleich zwischen Menschen und Tieren dient nicht der Öffnung von Moral, sondern der Stabilisierung einer (hegemonial-) anthropozentrischen Norm.

Regan überwindet Speziesismus somit nicht, sondern übersetzt ihn in einen dem Kognitiven attribuierten Code. Moralische Relevanz wird an eine bestimmte Form des Verständnisses über Denken und wie es zu kartographieren ist gebunden, während relationale Sensibilität, situative Rücksicht und verkörperte Verantwortung systematisch entwertet zu werden scheinen.

Der zentrale Vorwurf lautet daher: Regan entdeckt keine moralische Grenze – er setzt sie. Und diese Setzung reproduziert Ableismus: bei Menschen als Defizitlogik, bei Tieren als speziesistischen Ausschluss.

Bei Tom Regan nimmt der Begriff des Lebens eine eigentümlich paradoxe Funktion ein. Einerseits wird Leben ausdrücklich anerkannt: Tiere leben, sie haben ein Erleben, Interessen und eine biografische Einheit; in diesem Sinne gelten sie bei Regan als subjects-of-a-life. Dieses Zugeständnis wirkt zunächst radikal, weil es Tiere aus der bloßen Objektstellung herauslöst. Zugleich aber bleibt dieser Lebensbegriff auffällig leer. Leben fungiert weniger als gelebte Praxis denn als normativer Trägerstatus. Das, was Leben konkret ausmacht – soziale Kompetenz, Bezugnahme, Responsivität, Sensibilität gegenüber anderen – wird von Regan nicht als moralisch relevant anerkannt. [Stichwort: Definition Sentience und Neurodivergenz]

Der Lebensbegriff ist zwar und muss selbstautorativ oder eigenautorativ [sich selbst autorisierend > Leben als erlebter Fakt, als erlebte Tatsache, Leben als leben > leben als Handlung] sein, eine paternalistische moralische Schutzwürdigkeit wird aber angedacht als Lösung, ohne dass die inhaltlichen Dimensionen dieses Aspekts erschlossen wird.

Das Leben als solches zählt, aber nur in einer begrenzten, abstrakten Form. Alles, was auf relationale Moral [Tiersoziologie, Wert] verweist, wird systematisch ausgeblendet.

Tiere, denen eine Art des baren Lebens (ein Zoe) zugesprochen wird und andererseits ebenso Menschen, die als „kognitiv beeinträchtigt“ gelten, wird ein verminderter Status moralischer Fähigkeit zugeordnet. Diese „Lebensstatusse“ werden aus dem Bereich moralischer Handlungskompetenz ausgeschlossen. Sie erscheinen in einem Abhängigkeitsverhältnis als Träger von Sinn und Wert, der Entzug eines Statuses als Träger moralischer Praxis versagt ihnen ihr selbstautoratives Erscheinen.

Diese Spannung folgt aus Regans Definition von moral agency: Moral agency ist bei Regan nicht das Ergebnis skalierbarer gelebter Verantwortung [Verantwortungsnetz], sondern eine vorab festgelegte Kategorie, die an bestimmte eng gefasste mutmaßliche und ausschließliche kognitive Voraussetzungen gebunden ist. Diese Definition ist entscheidender als die Logik des Lebens selbst. Leben wird anerkannt, aber normativ beschränkt, damit es die festgezogene Grenze zwischen moral agent und moral patient nicht infrage stellt.

Moral agency wird dabei implizit mit anthropozentrischen Denkungsarten über Verantwortungsübernahme (feste Begriffe, „reflektiert“, „begründungsfähig“) gleichgesetzt – eine Vorstellung, die paternalistische Züge trägt, weil sie andere Formen von Verantwortung (etwa in Rücksicht, Bezugnahme und situativer Sensibilität) nicht als moralisch relevant gelten lässt.

Das Paradox besteht somit darin, dass Leben bei Regan zugleich aufgewertet und entmachtet wird.

Es legitimiert moralischen Schutz, darf aber keine eigene moralische Dynamik entfalten. Der Begriff des Lebens [ein Subjekt of a Life, ohne soziale Bezugnahme und Denkvermögen] wird dem realen moralischen Geschehen übergeordnet; es wird entschieden wo Moral beginnt und endet, statt sich die Dinge aus Beziehung und Praxis entwickeln zu lassen. In diesem Sinne erscheint die Begriffssetzung selbst als Autoritär im Denken – nicht als Beschreibung dessen, was moralisch geschieht, sondern als Grenzziehung, die moralisches Erscheinen und bezugnehmende und bezugsetzende Relevanz ordnet und begrenzt.

In dieser Konzeption wird Moral zu einem anthropogenen Herrschaftsbegriff. Sie entsteht nicht aus dem gemeinsamen Lebenszusammenhang, sondern aus einer menschlichen Selbstdefinition heraus, die sich selbst zum Maßstab des „Moralischen“ [als Imperativbegriff] erhebt.

Indem moral agency an bestimmte spezifisch menschliche kognitive Fähigkeiten gebunden wird, wird Moral kategorisch anthropomorphisiert und definitiv nicht als Teil des Oikos verstanden > also des geteilten Lebensraums, der Beziehungen, Abhängigkeiten und Ko-Existenz [wir sprachen hier von einer sogenannten Rainbow Sentience > https://tierrechtsethik.de/rainbow-sentience/, 13.02.26] –, sondern als exklusive menschliche Ressource. Das Moralische [als Fähigkeit von Wertsetzung, Sinnsetzung] wird vom Leben abgelöst und über es gestellt. Tiere sind hier somit weiterhin nichtdenkend.

Animal Sapiens Antispe!

Rückt man den Oikos aber in die Mitte, zeigt sich die Unlogik solch eines Moralbegriffs. Moral ist dann nicht primär eine Frage abstrakter Verantwortungsübernahme, sondern eine Frage von Eingebundensein, Bezugnahme und Verletzlichkeit.

Verantwortung entsteht nicht erst durch reflexive, vor allem aber durch einen menschlichen Kanon verifizierte Selbstzuschreibung, sondern bereits dort, wo Lebewesen aufeinander reagieren, Rücksicht nehmen, Nähe regulieren und beispielsweise Schäden vermeiden. Eine Moral, die diese Dimensionen ausklammert, verfehlt ihr eigenes Bezugsfeld.

Der anthropogene Moralbegriff wird so zur Falle menschlicher Hybris. Er setzt den Menschen nicht nur faktisch, sondern begrifflich außerhalb des sentient Oikos. Moral erscheint als etwas, das der Mensch besitzt und verteilt, nicht als etwas, das ihn selbst bindet.

Diese Externalisierung stabilisiert einen impliziten menschlichen Exzeptionalismus: Der Mensch gilt als einziger Träger eigentlicher Moral, während alle anderen Lebewesen lediglich als Adressaten moralischer Verwaltung auftreten.

Gerade darin zeigt sich die Herrschaftsfunktion dieses Moralbegriffs. Er ordnet das Lebendige entlang einer kognitiven Hierarchie, die ihre eigene Perspektive naturalisiert und sich selbst als vernünftig ausgibt. Was als moralische Grenze erscheint, ist in Wirklichkeit eine Selbstabsicherung menschlicher Dominanz. Moral verliert so ihren orientierenden Charakter und wird zu einem Instrument der Abgrenzung – nicht gegen Gewalt, sondern zur Stabilisierung eines Weltbildes, das den Menschen über den (selbstautorativen) Oikos erhebt, statt ihn in ihm zu verorten.

Der entscheidende Bruch liegt darin, dass Regan zwar den Wert des subject-of-a-life ausdrücklich von menschlicher Fehlbewertung lösen will und diesen Wert als Eigenwert der Tiere behauptet, zugleich aber das tierliche Sein und Agieren systematisch entsoziologisiert. Tiere werden als wertvoll anerkannt, jedoch nicht als soziale Akteure. Ihr Leben zählt, aber nicht in seiner relationalen, gemeinschaftlichen und responsiven Dimension [Stichwort: Wertfrage, Wertlokalisierung]. Dadurch wird nicht nur ihr Handeln, sondern ihre spezifische Form von Sapiens – ihre Weise, Welt zu erkennen, zu beantworten und mitzugestalten – begrifflich außer Kraft gesetzt.

Diese Entsoziologisierung wirkt wie eine stille in-Abrede-Stellung. Tiere erscheinen nicht mehr als Wesen mit eigenen sozialen Ordnungen und Ideen, eigenen, tierlichen normativen oder tierkulturstiftenden Praktiken und eigenen Sprachen und dabei Formen situativer Rücksichtnahme, sondern als isolierte Träger eines abstrakten Lebenswerts.

Was verloren geht, ist nicht bloß eine Zusatzdimension, sondern die Anerkennung tierlicher Weltbezüge als bedeutungsvoll aus menschlich-anerkennender Sicht. Der Eigenwert wird hier paradoxerweise erkauft durch die Preisgabe tierlicher Agency im sozialen Sinne.

Damit reproduziert Regans Ansatz genau das, was er überwinden will: Zwar werden Tiere vor menschlicher Abwertung geschützt, doch nur um den Preis, dass ihre eigenständige Form von Erkenntnis, Beziehung und Handlung – ihr eigenes gelebtes Sapient-Sein – nicht als epistemisch oder moralisch relevant gelten darf.

Die Abrede über tierliche Sozialität stabilisiert letztlich eine menschliche Definitionsmacht, die festlegt, was als sinnvolles Handeln zählt und was nicht. Der Eigenwert bleibt bestehen, aber er steht in einem begrifflichen Vakuum, das Tiere erneut auf eine passive Rolle festlegt – diesmal nicht als Dinge, sondern als entsozialisierte Lebensträger.

Diskussionspunkte:

1. Das Paradox: Leben wird anerkannt – aber entleert

Regan erkennt Leben an, und zwar ausdrücklich:
Tiere leben, haben Interessen, ein Erleben, eine biografische Einheit – daher sind sie subjects-of-a-life.

Aber:
Dieses Leben ist bei ihm normativ amputiert.

Denn alles, was Leben konkret macht –
Bezugnahme, soziale Kompetenz, Responsivität, Sensibilität –
wird nicht als selbstautorativ bezugsetzend moralisch relevant zugelassen.
Das Leben zählt als Träger, nicht als Praxis.

Der Begriff „Leben“ ist damit:
Nicht selbstautorativ (er legitimiert keine vollumfänglichen realen eigenen Rechte, die das eigene Sein repräsentieren),
sondern wird so entkernt und inhaltsarm – er trägt keine moralische, sozial-bezügliche Dynamik).

2. Warum trifft Regan solche Zuordnungen

Der Grund liegt nicht im Tier, sondern im Modell von Moral, das Regan verteidigen will.

Regan möchte vermutlich:
– eine rechtsbasierte Moraltheorie, die sich auf bestimmte als normativ betrachtete und soweit kanonisierte Rechtsbegriffe begründet,
– die stabil, nicht-kontrovers, allgemein und konfliktarm ist,
– die nicht von Beziehungen, Nähe, Abhängigkeit oder Kontext abhängt. Die damit gerade das Subjekt leugnet

Dafür arbeitet er mit:

– klar erscheinenden Statuskategorien (moral agents / moral patients),
– einem festen, ausschließlichen und hierarchisierenden Begriff von Verantwortung als moralische Agency,
– und mit Moral als Zuschreibung, nicht als Geschehen.

Würde er Leben als relationale, soziale Praxis ernst nehmen,
würde Moral:

situativ,
verletzlich,
nicht vollständig kontrollierbar.

Das wäre mit seinem rechtsliberalen Ansatz anscheinend unvereinbar.

3. Moral agency als Verantwortungsübernahme – und der Paternalismus

Bei Regan ist moral agency faktisch gleichgesetzt mit Verantwortungsübernahme – verstanden als als inerhalb eines bestimmten Bezugsrahmens „reflektierte“, „begründungsfähige“ Verantwortung.

Das Problem:
Diese Form von Verantwortung ist

abstrakt,
retrospektiv,
institutionell denkbar.

Sie blendet aus, dass es auch eine immanente Verantwortung gibt:

Rücksicht im Handeln,
Responsivität im Kontakt,
Sensibilität im Miteinander.

Indem Regan diese Formen nicht anerkennt, entsteht Paternalismus:

Schutz wird gewährt,
aber moralische Kompetenz abgesprochen.

4. Die harten Schnitte: warum sie unvermeidlich sind

Regan zieht harte Schnitte, weil sein System sie erzwingt.
Ohne diese Schnitte:
wäre Moral nicht exklusiv menschlich,
wäre Verantwortung nicht kognitiv normiert,
wären Tiere nicht nur schutzwürdig, sondern moralisch teilnehmend.

Das würde:

die Trennung von agent und patient unterlaufen
die Autorität des Begriffs zerstören,
Moral als lebendige Praxis sichtbar machen.

Darum muss Regan:

soziale Kompetenz aus dem Moralischen ausschließen,
Leben auf Trägerschaft reduzieren,
Moral agency strikt definieren.

5. „Autorität im Denken“ – der Kern

Hier wird ein Begriff über das reelle Geschehen angesetzt und drückt so Autorität im Denken aus.

– Der Begriff entscheidet, nicht das gelebte Leben.
– Das reale moralische Geschehen – Beziehung, Rücksicht, Mit-Sein – wird dem Begriff untergeordnet, nicht umgekehrt.

6. Der innere Konflikt der in dieser Logik erscheint

Warum spricht Regan dem Leben diese paradoxe Funktion zu?

Weil er:

Tiere retten will, ohne Moral zu öffnen;
Leben anerkennt, ohne es ernst zu nehmen;
Inklusion betreibt, ohne Autoritätsverlust des Begriffs zu riskieren.

Das Paradox ist kein Versehen.
Es ist der Preis, den Regan zahlt, um seine Moraltheorie stabil zu halten.

[i.] Siehe Fragment > Equal Consideration for Animals (1), https://tierrechtsethik.de/equal-consideration-for-animals-1/, 13.02.26.

Literatur

Regan, Tom:
The Case for Animal Rights. 2. Aufl. Berkeley / Los Angeles / London: University of California Press 2004. (Erstausgabe 1983).

Regan, Tom:
„The Case for Animal Rights“. In: Singer, Peter (Hg.): In Defense of Animals. Oxford: Basil Blackwell 1985.

Regan, Tom:
The Case for Animal Rights. North Carolina State University at Raleigh. WellBeing International Studies Repository 1986.
Online verfügbar unter:
https://www.wellbeingintlstudiesrepository.org/cgi/viewcontent.cgi?params=/context/acwp_awap/article/1003/&path_info=Case_for_animal_rights.pdf
(Zugriff: [07.02.26]).

Regan, Tom:
„The Case for Animal Rights“. Gekürzter Auszug sowie Interview der Advocates for Animals mit Tom Regan.
In: Tierautonomie – Animalistic Issue 80, Edition Farangis, Jg. 5, Nr. 1, Art. 1, April 2018, ISSN 2363-6513.
Übersetzung aus dem Amerikanischen von Gita Yegane Arani.

Wikipedia:
„The Case for Animal Rights“.
Online unter: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Case_for_Animal_Rights
(Zugriff: [07.02.26]).

 

Lehnmythologeme (1)

Lehnmythologeme: Die Bibel hat eine Weisheistsprache und dann wiederum brachiale Wunder, aber sie steht jenseits des Vokabulars der Mythen, die sich in Märchengeheimnissen verbergen. Der Rabe beginnt bei Cautes und Cautopates …

Moralische Willkür

Moralische Willkür
versus moralischer Unsichtbarkeit.
Dabei ist das Mores hier
der Sozialkodex im Urkommunikativen.

Farangis Yegane Arani: Biophile Series. A body made up of metrnality and children, ladders leaning into the maternality body, and an even squared ground, in the background mountains and a sky, all pale red-brownish and sky blueish, lighter, darker, shades. Below two image excerpts.

Kapitäler

Kapitäler

Hier wird nichts mehr zusammengehalten, weder retrospektiv die “große” Fiktion, noch ihre Ausläufer.

Es ist eine gute Idee es nochmal mit der Geschichte von unten zu versuchen. Nur hat man jetzt noch die Auseinandersetzung mit ähnlich Geschichtsvergessenen/Unbelehrbaren.

Auf wessen Kosten sollten heute noch Ideen von Kohärenz und Schlüssigkeit realisiert werden können? Jegliches Kapital hat sich mit jedem Schritt der Ausbeute verflüchtigt. Das Kapital mit dem man handelt, hat gerade mal den Wert von Spielgeld, aber als so eine Art Judaslohn.

Der Monolith im Anthropozaen

Wenn „Gute“ vernichten – haben wir ein Problem, dass von den „Guten“ negiert wird. Workarounds mit Sekundärargumenten werden der monolithartigen Starre dann meist entgegengesetzt. Wenn die Mehrheit der Menschheit darüber einig ist, was böse, Unrecht, usw. ist, dann bewegt sich was.
Im Anthropozän.

Gruppe Messel

 

 

 

Vertiert: Altnazis und ihre Clean Killing Machtphantasien

Gegen das Clean Killing Reasoning
eines Arms der “Altnazi”-Tradition
kann man vermutlich
nur den inneren Konflikt völkischer Interessen
als “Lösungsweg” betrachten
a.) die Entnazifizierung hat nicht funktioniert (völkisch und so)
b.) Entrechtung, Tötung als > Machtideen wirken dort weiter
– Vertiert

Post-anthropozaenes Denken (2)

Weltanschauliche Freiheit einfordern heißt, Mehrheitsmenschen müssen anerkennen, dass es Inhalte gibt, die für eine post-anthropozäne Ausrichtung im Denken keinerlei Mehrwert besitzen.

Früher schuf man ein Denken für “den Menschen”.
Heute muss jeder für sich selbst denken.

Gruppe Messel

Post-anthropozaenes Denken (1)

Post-anthropozän orientiertes Denken ist keine Antihaltung zu anthropozänem Denken. Es ist eine allgemeine Neuausrichtung, die gezwungen ist, ein anthropozänes Denken hinter sich zu lassen.

Gruppe Messel

Post-anthropozaene Politik

Tierrechte sind, wie tierliche Lebensräume, ein Thema, das politisch umfassendere Konzeptionen mit sich bringt als die einem Links/Rechts-Kampf zugrundeliegenden politischen Wurzeln, die dem Anthropozän mit menschlich-hegemonialen Begriffen begegnen und Lösungen für menschliche Konflikte, Problematiken und Interessenlagen zirkelschlussartig angehen.

Post-anthropozäne Politik ist parteienpolitisch nicht existent. Jedes Handeln für sie spiegelt aber trotzdem ihre grundpolitische Wirksamkeit.

Gruppe Messel

Animal rights, like animal habitats, are an issue that entails politically more comprehensive conceptions than the political roots underlying a left/right battle, which confront the Anthropocene with human-hegemonial concepts and approach solutions to human conflicts, problems and interests in a closed circular fashion.

Post-anthropocene politics does not exist in party politics. However, every action on its part reflects its fundamental political effectiveness.

Los derechos de los animales, al igual que el hábitat de los animales, son una cuestión que implica conceptos políticamente más amplios que las raíces políticas subyacentes a una lucha izquierda/derecha, que enfrentan el Antropoceno con conceptos hegemónicos humanos y abordan las soluciones a los conflictos, problemas e intereses humanos de forma circular.

La política post-antropocénica no existe en términos de política de partidos. Sin embargo, toda acción en su favor refleja su eficacia política fundamental.

Les droits des animaux, comme l’habitat des animaux, sont une question qui implique des concepts politiquement plus larges que les racines politiques sous-jacentes d’une lutte gauche/droite, qui confronte l’Anthropocène aux concepts hégémoniques humains et aborde les solutions aux conflits, problèmes et intérêts humains d’une manière circulaire.

La politique post-anthropocène n’existe pas en termes de politique partisane. Cependant, toute action en sa faveur reflète son efficacité politique fondamentale.